HolzKurier (Timber-Online.net)
Start für Auktionen
Wie billig kann Holz noch werden?
Die virtuellen Handelsplattformen halten auch im Holzgeschäft Einzug. Der erste Provider, der Holzauktionen im Inter- net anbietet, ist die Internationale Holzboerse IHB, Landshut/D. Geschäftsführer Marcus R. Niedermeier stand vor kurzem den Italienexporteuren in Saalfelden Rede und Antwort. Die Händler sehen den Möglichkeiten im Netz mit gemischten Gefühlen entgegen. Eröffnen sich damit neue Chancen für den Handel oder könnte die virtuelle Welt von Lieferanten und Abnehmern zum endgültigen Ausschalten der (wenn auch immer bescheidenere Spannen kostenden) Händler führen?
Vorerst noch in Ordnung
Vorerst scheint die Welt noch in Ordnung. Wer aufs Netz setzt, wird jetzt beim Start der Auktionen mit Provisionen von bis zu 3% rechnen müssen. Damit ist eine faire Konkurrenz gegeben. Doch was passiert, wenn sich ein Sortiment in Nach-Windwurfzeiten als absoluter Ladenhüter erweist? Geht es dann noch um Spannen oder einfach nur mehr um Marktentlastung? Wer verzichtet dann worauf? Und die wichtigste Frage: Wird die dann für jedermann nachverfolgbare Transparenz im Netz bei offen geführten Auktionen für raschen Verfall bis zum tiefsten Preis sorgen? Nach dem ersten Beispiel einer Palettenauktion (sh. Holzkurier Heft 39/ 2000,S. 3) müsste man das bejahen. „Ich will die Börse sauber halten. Die Prüfung der Bonität der Kunden erfolgt so, wie im täglichen Leben auch.“ Nach den ersten Nach-Auktionserfahrungen will man sich allerdings die Finger mit unzufriedenen Stammlieferanten, die mit neuen, tieferen Preisen an die Wand gedrückt wurden und denen nun die Luft auszugehen droht, nicht mehr so schnell neuerlich verbrennen. Erste Folge: Die Toleranz bei sonst inbegriffenen Lieferleistungen sinkt – nicht immer zur Freude des Abnehmers.
Die Auktionspraxis – auch anonym
Die ersten Vorstellungen von der Auktionspraxis gab Niedermeier vor den Italienexporteuren bekannt. Die IHB steht sowohl für Verkaufs- als auch für Einkaufsauktionen zur Verfügung. Damit kann sowohl die Lieferanten-, als auch die Einkaufsseite für Säger, Händler, Holzindustrielle ja auch Transportlogistiker abgedeckt werden. Der Bieterkreis ist offen oder geschlossen, ganz nach Wunsch, definierbar. Auch Chiffre-Auktionen sind möglich. Dort kann man sich in die Anonymität flüchten. „Die uns bekannt gegebenen Daten werden vertraulich SSL-verschlüsselt“, bekennt sich Niedermeier zu höchsten Standards. Jede Auktion muss mit mindestens zwei Bildern dokumentiert, die Partie genau beschrieben werden. Mit Namen und Passwort ist man mit von der Partie. Die Finanzierung erfolgt transaktionsgebunden mit bis zu 3% vom Verkaufserlös. Bezahlen kann die Provision der Anbieter, der Käufer oder beide je zur Hälfte. Die Laufzeit soll mindestens 24 Stunden, höchstens jedoch 7 Tage betragen. Es entstehen verbindliche Verträge, an die sich die IHB erstmals heranwagt. „Die Seriosität der Anbieter und Nachfrager prüfen wir so gut, wie es eben im täglichen Leben auch nur möglich ist“, so Niedermeier. „Bei einem verdeckten Inserat wissen Sie ja auch nicht von vornherein, mit wem Sie es zu tun haben werden.“
Sprachengewandt
Die IHB hat sich in den vergangenen Monaten, seit sie eine Kapitalspritze von der Hypovereinsbank und von der Deutschen Ausgleichsbank erhalten hat, nicht nur im Erscheinungsbild im Netz gewandelt. Die Übersetzungsleistungen umfassen jetzt 6 Sprachen, sodass die Internationalisierung vor der Umsetzung steht. Der 30 Jahre junge studierte Holzkaufmann in Rosenheim, der bis 1996 im elterlichen (Laubwert-) Holzhandel arbeitete, berichtet von neuerlichen Rekorden bei den Zugriffen: 2,7 Mio. Page-Impressions pro Monat. „Wir schätzen, dass da bis zu einer halben Million Besucher dahinter stehen“, meint Niedermeier. Diese beschäftigen sich mit den in den Datenbanken gespeicherten 500.000 fm Rund- und Schnittholz- sowie Furnieranboten.
Schnell- und Langsamdreher
„Viele Produkte drehen sich im Tagesrhythmus“, berichtet der Holz-Networker. „Bei Ladenhütern können wir allerdings auch keine Wunder wirken.“ Derzeit arbeiten 30 Personen für die IHB, deren Technik nach wie vor in Landshut/D abgewickelt wird. Marketing und Management sind allerdings in das E-Commerce-Zentrum in Hallbergmoos bei München in unmittelbarer Nähe des Flughafens übersiedelt. Dort soll bis Jahresende auf 55 Personen ausgebaut werden. Dependancen in Österreich, Italien und Frankreich sind geplant, Russland, Asien und USA sollen schon bald realisiert werden. „Wir wollen Ansprechpartner in der Landessprache vor Ort“, setzt Niedermeier auf Kundennähe.
Viele Domains gesichert
Die IHB ist Inhaber von 400 Domainnamen, allesamt Fachbegriffe rund ums Holz in allen erdenklichen Sprachen, was sie regelmäßig bei Internetabfragen an die Spitze unter den ersten zehn in den Suchmaschinen katapultiert. Mit dem Holzexpress, der bis zu drei Mal pro Woche versandt wird, erreicht die IHB 13.000 E-Mail-Empfänger. Mit „my Holzboerse“ kann man den Inhalt personalisieren – und ab dem Sommer auch per SMS empfangen. Der Eintrag in die Holzsuchmaschine Timberseek ist kostenlos. Doch was hilft all die Geschäftsanbahnung ohne Lösung der Logistik? Ab dem Sommer soll auch das möglich sein und potente Logistikpartner den Holztransport vonA nach B lösen. Noch im ersten Quartal 2001 erfolgt die Umwandlung der IHB von einer GmbH in eine AG. Den Börsegang am Neuen Markt in Frankfurt hat man sich binnen 18 bis 24 Monaten vorgenommen. Die Finanzierung der IHB erfolgt zu zwei Drittel aus Mitgliedsbeiträgen, den Rest decken Werbung und Internetdienstleistungen ab.
(Autor: Dr. Rainer Eder / Februar 2001 - www.timber-online.net)