Landshuter Zeitung

StartUp 2000:
Ein junges Unternehmen stellt sich vor Bretter, die das Web bedeuten - Marcus R. Niedermeier glaubte ans Internet und führt heute eine Firma von Weltrang

Holz steht für natürliches Wachstum, Solidität und Beständigkeit. Das Internet wiederum für wirtschaftliches Wachstum, Globalisierung und Schnelligkeit. Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und haben durchaus das Zeug, sich zu einer gewinnbringenden Liaison zu entwickeln. Marcus R. Niedermeier hat genau das geschafft, er wagte und steht nun als Sieger da: Er überzeugte die streng konservative Holzbranche, sich für das Internet als weltumfassenden Marktplatz zu begeistern. Heute gehört dem 30-jährigen Landshuter ein Unternehmen, das im Netz mit nahezu 40.000 Seiten präsent ist und dessen Angebot zwei Millionen Mal pro Monat genutzt wird: die Internationale Holzboerse, das weltweit größte Portal für die Forst- und Holzwirtschaft. Marcus Niedermeier stammt aus gutem Hause. Der Betrieb von Vater Rudolf Niedermeier ist erfolgreich in der Holzbranche tätig. Der Holzgroßhändler wickelt Import- und Exportgeschäfte ab - weltweit, seit rund 100 Jahren. Absatzprobleme hatte die Firma kaum, die Beschaffung war vielmehr das Problem. Und dieses Problem wollte Marcus Niedermeier auf seine Art lösen.

Es war 1996, als sich er und sein Partner über die Möglichkeiten des Internets aus Sicht eines Holzhändlers unterhielten. Das weltweite Netz steckte damals noch in den Kinderschuhen. Wer daran glaubte oder gar darin investierte, wurde noch als Fantast verspottet. Gerade in der konservativen Holzbranche war der Begriff Internet ein „Unwort", erinnert sich Marcus Niedermeier. Dennoch, im September 1996 gründete er die Internationale Holzboerse IHB und verließ noch im gleichen Jahr den väterlichen Betrieb - auch aus Gründen der Neutralität. „Uns stand das Wasser teilweise bis zum Hals. Wir mussten jede Mark umdrehen." Die beiden ersten Jahre dieses Start-Ups waren hart, kaum erfolgreich, bildeten aber die Basis für den späteren Durchbruch: Das junge Unternehmen überzeugte von Beginn an durch Seriosität und erwarb das Vertrauen der skeptischen, dem Neuen eher verschlossenen Branche.

1998 wendete sich das Blatt. Die Vorteile des Business-to-Business-Marktplatzes schlugen durch. Niedermeiers Holz-Datenbanken entwickelten sich mehr und mehr zum festen Instrument am Markt. Und er wusste, die Schelligkeit des Internets immer wieder tagesaktuell auszunutzen: „Wir hatten zum Beispiel als erste genaue Zahlen nach dem Weihnachtsturm ‚Lothar‘ 1999 in Bayern."

Egal, ob sich ein Holzhändler aus Russland in seiner Landessprache auf Niedermeiers Seiten meldet oder ein Waldbesitzer aus dem Schwarzwald, beide können in ihrer Landessprache Angebot und Nachfrage abrufen und bei Bedarf eine chinesische Fassung nach Shanghai weiterleiten - grenzenloser Holzhandel in Sekundenschnelle. Auf rund 40.000 Seiten finden die knapp 3.000 Kunden aus aller Welt auf über 50 Datenbänken mit mehr als 250.000 Datensätzen und Nutzereinträgen unzählige Informationen zum Thema Holz, mittlerweile in sechs Sprachen. Die IHB bietet auf ihren Seiten zudem Werbeflächen - die Kunden stehen Schlange -, liefert redaktionelle Beiträge über Fachkongresse, Podiumsdiskussionen und Auktionen, über die Ausmaße von Sturmschäden und über wirtschaftliche Entwicklungen am Markt. Rund zwei Millionen Zugriffe registriert die IHB - pro Monat. Ein Teil des Erfolgsrezeptes: Niedermeier sicherte sich gleich zu Beginn 200 Domains: Egal, ob der Interessierte Sperrholz oder Tropenholz, Parkettleiste oder Hobelwerk, Timberagent, Schnittholz, Rundholz oder 200 andere Begriffe aus der Welt des Holzes eingibt - er wird zuerst auf der Seite der IHB landen. Zu zweit hat alles begonnen, mittlerweile beschäftigt Marcus Niedermeier 25 Menschen in seinem Unternehmen, Tendenz steigend. Nach wie vor sitzt der technische Betrieb an der Christoph-Dorner-Strasse, wo alles begann. Büro und Verwaltung hat der Jungunternehmer inzwischen nach Hallbergmoos verlegt. Vor zwei Jahren flossen die ersten Gewinne. Zukunftspläne und Visionen zu entwickeln, fällt dem Internet-Pionier Marcus Niedermeier nicht schwer. Er hat das nahezu grenzenlose Vertrauen seiner Hausbank, der Sparkasse, („die einzige Bank in Landshut, die mir 1996 unter die Arme greifen wollte"), kann auf Umsatzzahlen im Millionenbereich verweisen und er hat Ideen und Mut: Demnächst eröffnet die IHB Niederlassungen in Österreich, Italien, Frankreich, Russland und der Schweiz. Auch über den Schritt über den großen Teich denkt Niedermeier bereits laut nach.

Doch wenn man ihn so reden hört, scheinen diese Dependancen nur Zwischenstationen auf dem Weg zu seinem großen Ziel: als Aktiengesellschaft an den Neuen Markt. Schließlich laufen die Börsianer auf dem hektischen Parkett in Frankfurt auf Holz.

(Autor: Julian Friedrich / 2001)