Österreichische Forstzeitung

Versäumt die Forstwirtschaft wieder einen Trend?

Zum mittlerweile 30. Holzkolloquium rief die bayerische Forstfakultät Anfang März nach München. Seit wenigen Monaten zur Technischen Universität gehörend, war das Thema geprägt vom Wandel der Zeiten: Perspektiven der Nutzung neuer Medien in Forst- und Holzwirtschaft. Fazit: Die interaktive Holzvermarktung läuft an.

Für die Forstwirtschaft bieten virtuelle Marktplätze ein Einsparpotential von 15 bis 20 % ", prognostizierte Michael TIMINGER, ehemaliger Forstrat, jetzt Geschäftsführer der Interad Marketing und Informationsdesign im Internet, Augsburg/D. Wer heute seinen Einstieg in das Internet mit einer Homepage beginne, die den User nur informiert, der hat für Timinger a priori verloren. Er zählt die Forst- und Holzwirtschaft zu den Schnecken im Internet. Allerdings trägt die Forstwirtschaft diesmal nicht allein die rote Laterne: ,1 Das gesamte produzierende Gewerbe hat die Dringlichkeit noch nicht erkannt".

Blick in die Glaskugel
In das selbe Horn stieß Brigitte HERDER von Siemens Business Services und Spezialistin für den neuesten Trend in Sachen Internet dem E-Commerce. "Mir ist kein Unternehmen aus der Forst- und Holzbranche bekannt, das das Internet als interaktives Medium für Einkauf, Vertrieb oder Logistik verwendet. Timinger sieht besonders für Einschlags- und Fuhrunternehmen die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen auf einem virtuellen Marktplatz anzubieten. Die Zukunft könnte nach Ansicht von Timinger auch Furnierkäufer bringen, die mit Datenbrille und -handschuh die Holzqualität eines virtuellen Versteigerungsplatzes beurteilen.

"Warum laufen wir immer noch mit großformatigen Karten durch den Wald, anstatt digitale Karten zu benutzen, für die wir uns über das Internet die Nutzungsrechte gekauft haben?", fragte Timinger die Zuhörer der gut besuchten Veranstaltung. Timinger kann sich die Forstwirtschaft auch als OutsourcingPartner der Holzindustrie vorstellen: "Wenn man sich überlegt, wie oft die Daten eines Stammes auf seinem Weg vom Wald ins Werk aufgenommen werden", fragt Timinger, ob es nicht sinnvoller wäre, die Daten auf einem durch ein Portal geschützten Marktplatz allen Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Auch in umgekehrter Richtung des Informationsflusses sieht Timinger Rationalisierungspotential: "Warum werden geänderte Sortimentswünsche des Kunden von der Sägeindustrie nicht online an den Harvester weitergegeben"?

Holzbörse hat sich bewährt
Den Vorwurf, die Holz- und Forstwirtschaft würde wieder einmal einen Trend verschlafen, wollte Marcus R. Niedermeier, nicht auf sich sitzen lassen. Neu in das Programm hat Niedermeier zertifiziertes und tropisches Holz aufgenommen. Die Seiten werden täglich aktualisiert, was die User mit 1,35 Mio. Zugriffen pro Monat und monatlichen Steigerungsraten von 30% danken. Neu ist ein Homepageservice. Niedermeier übernimmt Seiten von Firmen im Holzbereich oder erstellt diese im Auftrag. Nachdem überprüft wurde, ob das Unternehmen auch wirklich in der Holzbranche tätig ist, kann über die holzbörseneigene Suchmaschine auf über 280.000 Seiten zugegriffen werden. Auch Niedermeier hält den Logistik-Bereich für besonders E-Commerce-geeignet, weshalb er dafür eine eigene Plattform eingeführt hat. Neu ist auch eine Bauholzbörse. Anläßlich von Lothar findet sich auch ein Sturmholzforum, in dem u. a. freie Harvesterkapazitäten zu finden sind. Niedermeier hat virtuelle Holzauktionen geplant, allerdings will er dabei nur den Kontakt zwischen den Akteuren herstellen. Der Zugriff auf alle Serviceleistungen der IHB schlägt mit 1200 DM/Jahr zu Buche. Der Eintritt in die große weite Weit der medialen Holzvermarktung liegt bei 29 DM/Monat. Besonders für Forstbetriebe kann dieses Offert interessant sein, um Rundholz über die etablierte Plattform der internationalen Holzbörse anzubieten.

Kein Erfolg mit Holzvermarktung übers Netz
Weniger erfolgreich war das Holzzentralblatt mit dem Versuch, die Homepage auch für Holzangebote und Gesuche zu benutzen, wie Dr. Dieter JAUCH, Weinbrenner Verlag Stuttgart, zugab. Die Nummer eins der deutschen Forst- und Holzfachzeitungen plant aber, in sechs Monaten mit einem komplett überarbeiteten Auftritt im Internet präsent zu sein. Besonders für Fachzeitungen sieht Jauch im Internet eine gute Ergänzung. "Schon vor 20 Jahren hat man den Tod der Tageszeitungen prognostiziert", weist er auf die wachsende Vielfalt von sogenannten Special-Interest-Zeitungen am Kiosk hin. In den Printmedien sieht Jauch immer noch die gezieltere Informationsbeschaffung. "Wie oft haben Sie Stunden gesurft, und nicht das Richtige gefunden?" fragte er seine Zuhörer. Es fehle ganz klar ein Holzportal, über das Interessierte die für sie relevanten Seiten direkt erreichen. Wer meine, allein durch Weitergabe von Information im Internet Geld verdienen zu können, werde sich eines Besseren belehren lassen müssen, bezweifelt Jauch die Versuche einiger. Digitale Zeitungen gegen Gebühr seien nicht gefragt, widersprach Jauch dem Erfolgskonzept von Niedermeier, der sich auch Information bezahlen lässt. Das Holz-Zentralblatt werde deshalb eher den Weg gehen, bis hin zum Kiosk dem Fachpublikum Information rund ums Holz anzubieten.

Die ersten Schritte sind die schwierigsten
Die ersten zwar noch kleinen, aber erfolgreichen Schritte gehe die Holzindustrie RETTENMEIER, wie Klaus REGNER, berichtete. Im Gegensatz zu Timinger hält Regner auch eine statische Homepage für sinnvoll, was Timinger schon zum alten Eisen zählt. Das Problem sieht Regner in den Suchmaschinen. "Die Homepage muss so aufgebaut sein, dass man unter de ersten 30 bei einem Suchbegriff scheint". Regner arbeitet derzeit an Plattformen für den Rundholzeinkauf und man überlegt, die Daten der Werkseingangsvermessung über das Netz zur Verfügung zu stellen. Allerdings gibt Regner auch zu, den Aufwand eines Internetauftrittes unterschätzt zu haben: "Wir dachten, das geht so nebenher, was ein fataler Fehler war". Heute ist eine Mitarbeiterin allein für den Internetauftritt von Rettenmeier zuständig.

Ist Forstwirtschaft mit der Möbelindustrie vergleichbar?
Einen Vorgeschmack auf die Folgen einer weiteren Konzentration in der Holzindustrie konnte Hubert WESTHÄUSER, Industrie und Handelskammer (IHK) Coburg, geben. In der Möbelindustrie stehen riesige Verbände den kleinstrukturierten Möbelherstellern gegenüber, An Beispielen zeigte er, wie die Händlerverbände in der Lage sind, jegliche Internetaktivitäten zu unterbinden. "Ein Produzent hat sein komplettes Sortiment inklusive Händlerverzeichnis ins Netz gestellt, worauf die Händler sich genötigt sahen, mehr Produkte abzunehmen und die Aktivitäten unterbanden". Problematisch sind für Westhäuser auch Güter, die kein Markenzeichen haben, wie viele von kleinen Herstellern stammende Polstermöbel. "Qualität kann man nicht im Internet abbilden", ist Westhäuser der neuen Technik gegenüber skeptisch. Ein Aspekt, den die Cyberförster bei ihrem virtuellen Gang über den Wertholz-Submissionplatz bedenken sollten.

Wie sicher ist das Internet?
Erste Frage von Unternehmen, die Geschäfte über das Internet machen wollen, ist häufig die Sicherheit. Auch im Internet ist ein Briefumschlag notwendig, der vor neugierigen Blicken schützt", drückte es Karl Amsteter, Regierungsdirktor beim Landesbeauftragten für Datenschutz, München, aus. Im elektronischen Datenverkehr entspreche eine Verschlüsselung diesem Umschlag. Hierfür seien aber einige Voraussetzungen zu beachten, z.B. dass sich die an einem Marktplatz beteiligten Händler auf einen gemeinsamen Code einigen. In Deutschland seien zwar schon Gesetze vorhanden, damit die Codes als Unterschrift anerkannt werden. "Es müssen aber noch weitere 4000 Rechtsvorschriften geändert werde", zeigte Amstetter die rechtlichen Schwierigkeiten des E-Commerce. Als weiteres Risiko sieht Amstetter sogenannte Datenspuren: "Oft reicht es aus, zu wissen, wer, wann und mit wem kommuniziert, um daraus Informationen zu erhalten". Obwohl Gesetze dieses verbieten, sei es in einem globalen Netz wegen des Sitzlandprinzips (Rechtssprechung des Ursprungslandes gilt) kaum zu verhindern, so Amstetter. Besonders die USA würden sich gegen strengere Vorschriften wehren.

(Autor: N.N. / 2001)