Der Standard
Bayerischer Pionier erfolgreich auf dem Holzweg im Internet
Weltweit größte Web-Holzbörse eröffnet ein Büro in Wien
Wien - Über 1,5 Millionen Seitenzugriffe im Monat, ein zweistelliger Millionenumsatz und ein "ordentlicher Gewinn": Für den heute knapp dreißigjährigen Marcus Niedermeier hat sich das Bier, bei dem er vor vier Jahren die Idee einer internationalen Holzbörse im Internet geboren hat, gelohnt. Als Sohn eines bayerischen Holzhändlers war der "alte Branchenhase" faktisch damit aufgewachsen, dass der Branche generell nicht der Absatz, sondern die Beschaffung immer wieder Probleme bereitete. Die Frage war also, wie man am leichtesten an den Weltmarkt herankommt. Als größter Web-Holzhändler kann er sie heute beantworten.
Dabei galt das Projekt in der traditionsverhafteten, konservativen Holzbranche lange weniger als Bier-, sondern vielmehr als Schnapsidee. "Als ich 1996 begann, potenzielle Interessenten persönlich abzuklappern, galt Internet noch als Unwort, das ich deshalb auch tunlichst vermieden habe", erinnert sich Niedermeier im Gespräch mit dem STANDARD. Nach zwei Jahren Klinkenputzen in ganz Europa bei Holzproduzenten, -händlern und industriellen Kunden hat er das heute nicht mehr nötig. Bis zu 400.000 Kunden aus aller Welt klicken sich jedes Monat in Niedermeiers virtuellen Holzmarktplatz (http://www.holzboerse.de) ein. Der Internetpionier aus Landshut hat sich dafür mittlerweile 350 Domainnamen reservieren lassen. Und in Deutschland allein wird bereits ein Viertel aller Holzgeschäfte über Niedermeiers Internetplattform angebahnt, wo Bieter und Ankäufer zusammengebracht werden.
Werbewirtschaft steht Schlange
Dabei funktioniert die Holzbörse so international wie die Branche. Niedermeier: "Meldet sich etwa ein russischer Händler in seiner Landessprache, kann der Händler aus Osterreich die deutsche Übersetzung abrufen und bei Bedarf eine chinesische Fassung nach Peking weiterleiten." Verdient wird jedoch nicht etwa mit einer prozentuellen Beteiligungen an zustande gekommenen Geschäften, sondern an den Beiträgen von derzeit 1500 fixen Mitgliedern und natürlich an den Werbeeinschaltungen. Die stauen sich derzeit bereits auf langen Wartelisten. "Wir mussten die Buchungsdauer deshalb auf ein Jahr beschränken", meint Niedermeier befriedigt. Zufrieden will er sich mit seinem derzeitigen Erfolg jedoch nicht geben.
Noch diesen Sommer wird Niedermeier expandieren. Erste Station: eine Dependance in Wien. Damit kommt er dem Wunsch der österreichischen Klientel nach persönlichen Ansprechpartnern und einer zentralen Anlaufstelle im Land nach.
... Niedermeier will jedenfalls weiter expandieren. Nach Österreich, stehen Niederlassungen in Frankreich, Italien, China und in den GUS-Staaten auf dem Programm. Nur mit dem angedachten Börsegang am neuen Markt will sich das Unternehmen noch etwas Zeit lassen, obwohl Niedermeier mit entsprechenden Anfragen von Banken überhäuft wird.
(Autor: Monika Bachhofer / 2001)