Landwirtschaftliche Blätter
Das reale Holz am virtuellen Markt
E-Commerce am Holzmarkt: eine Symbiose mit Zukunft
Die Forstwirtschaftliche Fakultät der TU in München, unternahm letzte Woche in Form eines Kolloquiums den Versuch, das Thema "Perspektiven der Nutzung neuer Medien in der Forst- und Holzwirtschaft" mittels zahlreicher Referenten etwas greifbarer zu machen. Das InterNet hat in den vergangenen zwei, drei Jahren, die Geschäftswelt entscheidend verändert und wird auch weiterhin für Überraschungen sorgen. Und wie es scheint, hat auch die Holzwirtschaft das Fieber des E-commerce erfaßt.
Bei E-commerce halten sich Euphorie und Skepsis die Waage
Marcus R. Niedermeier, von der Internationalen Holzboerse, bewies in seinem Referat unzweifelhaft die Notwendigkeit dieser Einrichtung: eine Datenbank von ca. 300.000 Seiten. Die Vielfalt ökonomischer, medialer und anderer Fachdaten haben diese Homepage seit Bestehen 1994 zu einer für den gesamten Holzbereich unentbehrlichen Informationsquelle gemacht. Die Anzahl der Zugriffe lag 1999 bei 1,2 Millionen. Diese InterNetBörse wird in sieben Sprachen (inklusive Ungarisch und Russisch) angeboten. In die gleiche Kerbe schlug auch Dr. Dieter Jauch vom "Holz-Zentralblatt". Das Printpendant zur Internationalen Holzboerse. Diese Zeitschrift bietet einen guten Überblick über Holzpolitik, Marktbewegungen etc. in journalistischer Form an. Das InterNet soll als Ergänzung zum Druckprodukt gesehen werden. Denn das InterNet bietet jenen Raum, den eine Zeitung für Hintergrundberichte nicht zur Verfügung hat.
Die Holzboerse registrierte 1999 1,2 Millionen Zugriffe
Der Enthusiasmus über Entwicklung und Einsatzmöglichkeiten des InterNet und damit des E-commerce, präsentiert durch Brigitte Herder von Siemens Business Services, wurde durch Hubert Westhäuser, Möbelhersteller in Coburg, einigermaßen relativiert. Denn die Ansicht einer Wohnlandschaft im InterNet ersetzt nicht das tatsächliche Erlebnis sich in ein Fauteuil oder eine Couch zu setzen. Zudem steht E-commerce in der Möbelbranche vor dem Problem der Logistik. InterNet-Einkauf zwingt zur raschen Lieferung. In Tirol via InterNet gekauft, in Wien ausgeliefert, dauert die Zustellung wenigstens 2 Tage. Wenn dann noch die Farbe auf dem Bildschirm mit jener der Lieferung nicht übereinstimmt, was dann? Wer ist für Reklamationen zuständig ? Westhäusers Fazit, von den Unmöglichkeiten in dieser Branche widerstandsfähig gemacht, ist weniger pessimistisch als vielmehr realistisch. Wohnungsgröße, Zunahme von Singlehaushalten, mehrmaliger Wohnungswechsel und der Fluß der Ausgaben in den Sektor "Urlaub" haben die Möbelhersteller in arge Nöte gebracht. Selbstverständlich bedient Siemens mit seinen Softwareprodukten auch andere Branchen. Schwerpunkt dieser Entwicklung ist die Kommunikation "Business to Business" und "Business to Consumer". In den Konzepten zwischen Produktion, Management und Vertrieb werden die sensiblen Bereiche wie Grundlagenforschung, Verwaltung, Logistik etc. gut sichtbar. Mehr und mehr wird das InterNet mit seinen Besonderheiten wie Aktienmärkte und Auktionshäuser zum Super-Supermarkt. Preisfindung, Warenkorb, Registrierung und Berechtigung werden die Maßstäbe dieses Geschehens sein.
InterNet ist ein Wettbewerbsfaktor
Was vor zehn Jahren selbst in Insiderkreisen der Infotechnologie noch belächelt wurde, ist heute nicht mehr wegzudenken. Michael Timinger, Geschäftsführer der INTERad Marketing und Informationsdesign im InterNet, ist überzeugter Verfechter von E-commerce. Erfolgsfaktoren der Vergangenheit werden in Zukunft nicht mehr gelten. Diese Aussage von Hewlett Packard signalisiert ein neues Verständnis von Verkaufen, von Beziehungen zwischen Produzenten und Konsument, von Pflege von Kundenkontakten. Der aus der Realität in die Virtualität emigrierte Markt bringt neue Geschäftsfelder und Berufsbilder mit sich. Z. B. Inkasso im InterNet, Überprüfung von Kundendaten, Sicherheit. Gerade das Sammeln von Kundendaten zwingt zu Überlegungen, Kunden entsprechend ihrer Interessen und Vorlieben spezielle Informationen zukommen zu lassen. Allerdings, gibt Timinger zu, werde durch die Teilung der Gesellschaft in InterNet-Benutzer und jene, die diese Einrichtung nicht nutzen können oder wollen, die sozialen Abstände größer. Der Vorsprung einerseits bzw. der Mangel an Information andererseits, wird große Probleme bringen. Denn auch die Administration des Staates verwendet mehr und mehr diese Technologie und verliert dabei den Kontakt zu jenen, die die sozialen Netze am meisten brauchen würden. Die Essenz von Timingers Referat ist: Für schnell Handelnde besteht Gestaltungsraum.
Holzmarkt und Internet sind keine Gegensätze
Klaus Rechner, Geschäftsführer der Rettenmeier Holzindustrie in Wilburgstetten, sieht in der Kommunikation mit seinen Kunden via InterNet große Chancen, wenngleich eine Differenzierung der Art der Kommunikation erforderlich ist. Unterscheidungen zwischen Unternehmern, potentiellen und tatsächlichen Kunden Multiplikatoren und Kunden der Kunden machen sich im Endeffekt bezahlt. Holzmarkt und InterNet sind keine Gegensätze sondern haben jede Menge unentdeckter Synergien. Der Holz- und Forstwirtschaft ist dringend zu empfehlen, sich beherzt dieses Mediums anzunehmen. Der Zuwachs von Holz ist beträchtlich, der Markt verbreitert sich quasi stündlich und die Aktien auf der Börse stehen gut. Warum soll man nicht einen Rohstoff höchster Qualität via InterNet anständig vermarkten?
(Autor: N.N. / 2001)